
Offene Orgelklasse für Interpretation, Improvisation, Analyse an der großen Klais-Konzertsaalorgel im Auditorium maximum der Ruhr-Universität Bochum

Die Offene Orgelklasse wurde 1999 im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der Dortmunder Musikhochschule ins Leben gerufen. Dabei stand die Idee im Vordergrund, den Studierenden meiner Orgelklasse ein monatlich stattfindendes interdisziplinäres Forum zu allen Themen rund um die Ästhetik der Orgelkunst im Audimax der Ruhr-Universität Bochum zu bieten. Neben dem Einzelunterricht an der Hochschule sollte die Offene Orgelklasse bewusst die kommunikative Form des Gruppenunterrichtes aufgreifen, aber auch andere Formen der Wissens- und Erfahrungsvermittlung des Orgelspiels durch Gastdozenten den Studierenden nahe bringen. Grundlegend war für die Konzeption, die meist getrennt unterrichteten Fächer Interpretation, Improvisation und musiktheoretische Analyse im Sinne eines studium generale miteinander zu vernetzen. Ja, insgesamt den Horizont der Organisten (als oftmals besondere Spezies von Musikern...) zu weiten: ihnen ihre Verantwortung, aber auch ihre Chancen zu erschließen, die das großartige Instrument Orgel zur Inszenierung von Musik aller Epochen bietet.

Die mächtige Klais-Konzertsaalorgel (82/IV) bietet nahezu ideale Bedingungen, das gesamte Spektrum der Orgelliteratur an einem zeitgenössischen Instrument interpretatorisch darzustellen sowie den schöpferischen Impuls der Improvisation mit der Kunst der "Orchestration" an der Orgel zu verbinden. Die recht unkomplizierte Verfügbarkeit über Saal und Instrument durch das Engagement des Custos der Audimax-Orgel, Universitätsmusikdirektor Dr. Hans Jaskulsky, war von entscheidendem Vorteil. Auch lag es im Interesse der Ruhr-Universität Bochum und ihres Musischen Zentrums, die Audimax-Orgel möglichst vielen Studierenden zugänglich zu machen - eine Einladung, die an alle Hochschulen in NRW und deren Dozenten ausgesprochen wurde.
Die Offenheit der Orgelklasse für alle Studierenden sollte zudem einen Austausch zwischen Studiengebieten und Orgelklassen der NRW-Hochschulen ermöglichen. Die in unterschiedlicher Form konzipierten Veranstaltungen mit renommierten Gastdozenten - oftmals Organisten, die zuvor im Audimax oder in Ratingen konzertierten - richteten sich gleichermaßen an Studenten, Organisten, Kirchenmusiker und alle Orgelmusik- Interessierten.
Die Erfahrungen der Offenen Orgelklasse bemühe ich mich nun, im Rahmen von Kursen, Gast-Dozenturen wie 2007 am Westminster- Choir-College in Princeton (NJ/USA) und in Form des orgelFORUMS in Ratingen fruchtbar werden zu lassen. Nicht zuletzt verdanke ich der Offenen Orgelklasse und Ihrer Resonanz eine recht internationale Schar an Studierenden aus Deutschland, Italien, Irland, Holland und den USA, die in individuellem Modus oder im Rahmen eines Masterstudiengangens nach Ratingen kommen - eine Ratinger Orgelschule entwickelt sich...

Themen der Offenen Orgelklasse 1999-2005

Zur Rhetorik Johann Sebastian Bachs Forum mit Dr. Hans Jaskulsky, Bochum
Die Choralbearbeitungen Johann Sebastian Bachs Interpretation - Analyse - Improvisation als Stilkopie
Orgel - Tanz Forum mit dem Choreographen Tony Vezich
Orgelvisionen Forum mit Jean Guillou (Paris)
Musik - Text - Drama Interdisziplinäres Forum mit Prof. Albert-Rainer Glaap (Düsseldorf)
Zur Methodik des Übens Ausgehend von wissenschaftlichen Erkenntnissen über den 'biologischen Computer' des menschlichen Gehirns werden die Konsequenzen für eine individuelle Übemethodik und die Verknüpfung von technischen Studien, Improvisationsübungen und Registriertechnik an Literaturbeispielen erprobt.
Mendelssohn - Schumann - Brahms - Liszt Pianistische Einflüsse geben der Orgelmusik in der Mitte des 19. Jh. nachhaltige Impulse. Fragen der Interpretation, vor allem der Orchestration an der Orgel werden neben analytischen Aspekten zu Form und Ecriture im Zentrum der Arbeitseinheit stehen, die als Novum mit einem Récital um 16 Uhr schließt, das die Teilnehmer gestalten.
Noël - Noëls Alle Jahre wieder... bietet Weihnachten mit traditionellem Liedgut, aber auch altehrwürdiger Gregorianik eine Fülle an Themen für die Improvisation. Die Offene Orgelklasse gibt Anregungen von der Stilkopie à la Bach, d´Aquin, Dupré bis zur freien Adaptierung aus dem Themenfundus... Récital um 16 Uhr
Olivier Messiaens Klavierwerk In einem offenen Forum wird der Pianist (und Organist) Markus Bellheim Messiaens Oeuvre für Klavier vorstellen. Der 1. Preisträger des Concours Olivier Messiaen der Stadt Paris im Jahr 2000, der u.a. bei Y. Loriod und P.-L. Aimard studierte, gibt Einblicke in Messiaens Kompositionen, seine geistige Welt, in Klang und Farbe.
Improvisation: Kontrapunktische Formen I Als Hinführung zur Fugenimprovisation widmet sich der Kurs den Kanon-Techniken, der Beantwortung von Themen und der Entwicklung von Kontra-subjekten im Formteil der Fugenexposition, ergänzt durch Übungen zu motivischer Figuration und Sequenztechniken.
Orgelkurs " L´Ecole symphonique " Interpretation - Improvisation - Analyse Der Idee der Offenen Orgelklasse folgend behandelt der Kurs sowohl Fragen der Interpre-tation ausgewählter Werke von Ch. M. Widor, L. Vierne und Ch. Tournemire als auch Improvisation in den charakteristischen Formen der französisch-symphonischen Schule. So sollen Wege zu einer plastischen Darstellung der symphonischen Orgelliteratur und zu formal wie klangsprachlich überzeugender Improvisation aufgezeigt und erarbeitet werden.
Kontrapunktische Formen II Als Fortführung des Kurses werden der Formplan der Schulfuge sowie des Choral-Ricercars vorgestellt und schrittweise erarbeitet. Methodische Konzepte sowie Analysen ergänzen die praktische Arbeit. Das Récital um 16 Uhr stellt J.S.Bachs Musikalisches Opfer vor.
Kurs mit Gunther Rost Die Orgelwerke von Petr Eben Der vielfach preisgekrönte junge Würzburger Organist Gunther Rost wird die Orgelmusik des tschechischen Komponisten Petr Eben vorstellen, insbesondere die Zyklen Faust & Hiob, und Hinweise zu Interpretation und Registrierung geben.
Klavierimprovisation - Orgelimprovisation Ein offener Workshop für Pianisten und Organisten, Profis, Amateure oder einfach Klangbegeisterte: Dialog der Klangwelten von Klavier und Orgel, Anregungen zu Form, Klang und Konzeption einer improvisation à deux. Eine Herausforderung an Hören, Klangsinn und Spontaneität! Als analytischen wie inspirierenden Einstieg stellt Ansgar Wallenhorst zwei Schöpfungen für Klavier und Orgel der französischen Schule vor: Colloque No.5 von Jean Guillou Choral's Dream von Thierry Escaich
Conférences Maurice Duruflé I Kurs mit Prof. Günther Kaunzinger Der Würzburger Hochschullehrer und Konzert-organist Günther Kaunzinger, der am Vorabend mit einem Konzert in der Reihe Klangwelten den 100. Geburtstag Maurice Duruflés musikalisch würdigt, wird - als einziger deutscher Schüler ist er dazu geradezu prädestiniert ! - eine Einführung in Maurice Duruflés Ästhetik geben und im Gruppenunterricht Grundlagen der Interpretation des Orgeloeuvres Duruflés mit Kursteilnehmern erarbeiten. Ein Kurs zum Vertiefen oder auch Kennenlernen der Musik Maurice Duruflés, in der sich Poesie der Farben und formale Klarheit vollendet begegnen.
Conférences Maurice Duruflé II Die Chormusik Anhand der Chormusik, dem Requiem op. 9 als Hauptwerk, aber auch den Quatre motets op. 10 und der Missa 'cum jubilo' op. 11 wird Ansgar Wallenhorst Duruflés "gregorianische Seele" offen legen und die Synthese aus Modalität und Farbe seines Kompositionsstils analytisch und mit Klangbeispielen beleuchten. Im Récital um 16 Uhr erklingen Duruflés Missa cum jubilo, gesungen von den Baritonstimmen der Jugendkantorei Hösel unter Leitung von Toralf Hildebrandt, sowie Prélude, Adagio et Choral varié sur le 'Veni Creator' op. 4 für Orgel.
Die Kunst der Transkription Kurs mit Kalevi Kiviniemi Beginnend mit einem Récital um 16 Uhr wird der finnische Orgelvirtuose Kalevi Kiviniemi, zu Gast beim 5. Internationalen Orgelzyklus in St. Peter und Paul in Ratingen, in die Kunst der Transkription an der großen Klais-Orgel des Audimax einführen: Technik und Problematik der Übertragung, die gleichermaßen wie die Interpretation sich in der Spannung von Texttreue und kreativem Akt bewegt und eine Herausforderung an Orchestration, Klangsinn und Kenntnis der Möglichkeiten des Instrumentes Orgel darstellt. Ein Thema nicht nur für Organisten! Conférences Maurice Duruflé III Improvisation Notre-Dame-Titulaire Pierre Cochereau (1924-1984), der wie kein Zweiter die Orgelimprovisation in der 2. Hälfte des 20. Jh. beeinflusst hat, ließ keinen Zweifel daran, wie prägend der style Duruflé für seine musikalische Sprache und auch sein Formempfinden als Improvisator war. Die Offene Orgelklasse verbindet Übungen zur symphonischen Klanglichkeit mit analytischen Seitenblicken auf Duruflés Triptyque op. 4, einem Meisterwerk formaler Geschlossenheit. Ansgar Wallenhorst wird im eröffnenden Récital um 16 Uhr über adventliche Themen improvisieren.
Orgel - gar nicht so uncool! Offenes Forum für Schüler und Studenten Speziell für die "incoming stars" unter den Organisten, aber auch für Musikkurse der Schulen und Studenten der RUB präsentiert Ansgar Wallenhorst das Klangwunder der großen Klais-Orgel in Ton und Bild: eine spannende Führung durch Klänge und Technik der Orgel, die mehr kann als mancher vermutet... Klar, dass die Nachwuchstalente auch mal selber spielen können. Tipps zu Registrierung, Spieltechnik, interessanter Literatur gibt's gratis dazu.
Reger-Interpretationskurs mit Bernhard Buttmann Dem Titan der Orgelmusik an der Schwelle zur Moderne widmet sich Bernhard Buttmann als Interpret und Pädagoge: Regers überwältigende Klangwunder sind immer wieder Herausforderung an Spieltechnik und gestalterische Kraft eines jeden Organisten. Die von Bernhard Buttmann maßgeblich konzipierte Audimax-Orgel bietet für die Fragen der klanglichen Umsetzung viele neue Antworten, dazu in einem Raum, der diese Musik strukturell aufklärt.
Poesie und Raserei Die Musik des Thierry Escaich Ohne Zweifel setzt er die große Pariser Tradition des 20. Jh. fort: Der Komponist Thierry Escaich (*1965) hat sich dem Schöpferischen verschrieben: ob er komponiert, improvisiert oder Analyse unterrichtet, man spürt eine fiebrige Energie. Poesie der Klänge - ganz Franzose! - verbindet er mit formaler Klarheit und rhythmischer Intensität, die alle Grenzen sprengt. Die Musik seines ehemaligen Lehrers wird Ansgar Wallenhorst vorstellen: analysierend, spielend, einhörend. Wer Escaichs Musik einmal erlebt hat, ist verführt!
Workshop: G.F. Händel Konzerte für Orgel und Orchester In Kooperation mit den Musikhochschulen in NRW bietet die Offene Orgelklasse ein Kompakt-Paket für Organisten und Dirigenten an: Musikwissenschaftliche, analytische und aufführungspraktische Aspekte zu den Händelschen Orgelkonzerten - vorgestellt von Prof. Johannes Geffert, Köln - münden in eine praktische Arbeitsphase mit einem Streicher-ensemble. Als Dozenten konnten Orgelprofessoren der nordrhein-westfälischen Musihochschulen gewonnen werden, für die Orchesterleitung Prof. Reiner Schuhenn(MHS Köln) und Universitätsmusikdirektor Dr. Hans Jaskulsky.
IMPROVISATIONSSCHULEN I CHARLES TOURNEMIRE: PRECIS D'IMPROVISATION A L'ORGUE (1935) PROF. THIERRY MECHLER In Kooperation mit der Musikhochschule Köln und ihrem in der großen französischen Improvisationstradition beheimateten Orgelprofessor Thierry Mechler stellt die Offene Orgelklasse die Improvisationsmathodik des Organisten von Ste Clotilde in Paris und genialen Improvisators Charles Tournemire (1870-1939) vor. Dass Tournemires Improvisationen buchstäblich druckreif waren, belegen die von Maurice Duruflé erstellten Transkriptionen seiner Improvisationen. Dass seine die Architektur und den Klangsinn in den Vordergrund stellende Improvisationsschule ein bis heute absolut überzeugendes Lehrwerk darstellt, wissen zu wenige. Nicht nur Studenten der Hochschulklassen, sondern alle an der - auch und gerade liturgischen - Improvisation Interessierten sind eingeladen!
IMPROVISATIONSSCHULEN II MARCEL DURPE: COURS COMPLET D'IMPROVISATION A L'ORGUE (1925) Er gilt nicht umsonst als "Titan der Neuen Orgel" - denn in der künstlerischen Persönlichkeit von Marcel Dupé (1886-1971) verband sich der Interpret, der Komponist und Improvisator und nicht zuletzt der Generationen von Organisten prägende Pädagoge. Seine zweiteilig angelegte Improvisationsschule gilt als opus summum der Stehgreifkunst - vereinigt sie doch schlichtweg alle musikalischen Formen als Basis einer überzeugenden Improvisation. Neben methodischen Überlegungen und praktischem Unterricht werden Klangbeispiele der weitgehend unbekannten sieben Rundfunksendungen von 1947 vorgestellt, in denen Marcel Dupré quasi alle in der Improvisationsschule behandelten Formen exemplarisch an seiner Hausorgel in Meudon "vorimprovisiert" hat.
CONFERENCE PIERRE COCHEREAU Die symphonischen Wurzeln: Pierre Cocheraus Improvisationen und die Musik seines Vorgängers Louis Vierne (1870-1937) Input und Output stehen bei der schöpferischen Kunst der Improvisation in einem besonderen Verhältnis: die von Ravel benannte "unbewusste Untreue gegenüber dem Modell" ist immer wieder das öffnende Tor aus der Verbindung zur Tradition in den persönlichen Stil. Wie schon im vergangenen Jahr ist der Todestag von Pierre Cochereau ( 6. März 1984) Anlass, das Erbe des legendären Improvisators und Titularorganisten von Notre-Dame in Paris für unsere Tage fruchtbar zu machen: die Offene Orgelklasse geht den symphonischen Wurzeln Cochereaus im Werk seines Vorgängers Louis Vierne nach und widmet sich der Architektur der Sonatenhauptsatzform als formgebundene Improvisation über zwei Themen. Tondokumente, Analysen und methodische Anleitung bieten eine profunde Hinführung zur Kunst der Improvisation im symphonischen Stil
Offene Orgelklasse on tour... Die Orgel in der Petrikirche, Mühlheim Die im Jahr 2001 durch die Firma Mühleisen umfangreich restaurierte Schuke-Orgel Siegfried Redas gilt als orgelbauliche Ausnahmeerscheinung der Nachkriegsjahre: "orgelbewegte" Grundprinzipien und das unverwechselbar persönliche Profil des Komponisten und Essener Folkwang-Professors Sigfried Reda (1919-1968) haben ein Unikat entstehen lassen: wie ein Jahrhundert zuvor bei Cavaillé-Coll und César Franck führte die fruchtbare Symbiose von Orgelbauer und Komponist zu einem überzeugenden Kunstwerk der Moderne. Ein Forum über die Ästhetik der Karl Schuke-Orgel von 1959 und die Musikerpersönlichkeit Siegfried Reda im Gespräch mit dem Petri-Kantor Gijs Burger.
Offene Orgelklasse on tour... le style classique française in St. Nicolaus, Walbeck Ebenfalls aus dem elsässischen Hause Mühleisen entstand die Walbecker Orgel als klassisch-französischer Farbtupfer in der niederrheinischen Orgellandschaft. Ein Tag rund um Registrier- und Aufführungspraxis der Musik Couperins, Dandrieus, Grignys und ihrer Zeitgenossen und natürlich Anregung zur Improvisation à la française.
nach oben
|